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Deutsche Weihnachtsbräuche aus dem Osten

Niemals ist das Heimweh so groß wie in der Weihnachtszeit. Wo man auch weilt, die Gedanken gehen sehnsuchtsvoll zurück in die Kindheit mit all dem geheimnisvollen Zauber, der diese Zeit umgibt. Mit besonderer Wehmut im Herzen aber denken viele an ihre verlorene Heimat zurück, die in Gedanken wieder auflebt, wenn die Kerzen hell am Lichterbaum erstrahlen.

In Pommern war von alters her die Überlieferung weit verbreitet, bei der Geburt Christi habe ein Engel den Hirten befohlen, die Menschen in jedem Jahr durch lautes Blasen mit riesigen Tuthörnern an die stille, heilige Nacht zu erinnern. In der kleinen Stadt Fiddichow an der Oder hatte sich noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts das große Weihnachtstuten erhalten.

Meilenweit kamen dort aus der Umgebung die Gemeinde- und Gutsschäfer nach Fiddichow gewandert, auf dem Rücken die Tuthörner, eigenartig, geformte Instrumente. Diese seltsame Schar der Schäfer sammelte sich in der Kirche zur Christvesper. Nach dem Gottesdienst begann das Weihnachtstuten vor jedem Haus der kleinen Stadt. Darunter darf man sich allerdings keinen Ohrenschmaus, keine Engelsschalmeien vorstellen. Diese "Musik" war gut gemeint, aber nicht sehr wohltönend.

Ein Zeitgenosse berichtet: "Ohr- und Herzzerreißend!" Nach beendetem Konzert trat der Stadtschäfer in das Haus, brachte einen kurzen Weihnachtswunsch vor und erhielt zum Dank ein Viergroschenstück, Kümmelbrot und Branntwein.

In Ostpreußen durfte während der Adventzeit nicht getanzt werden. Man saß abends zusammen, spann die Schafwolke, webte hübsche Gürtel, strickte Strümpfe und Handschkes als Weihnachtsgeschenke. Über allem lag eine große Heimlichkeit, denn jeder sollte mit diesen Geschenken am Heiligen Abend überrascht werden.

Der Teig für die Pfefferkuchen wurde vielfach schon im November angesetzt. Dann wurden zum Advent und zum Fest große Plattenkuchen und kleine Pfefferkuchen gebacken, die man mit bunten Bildchen beklebte. Diese Kuchen hing man an den Weihnachtsbaum.
Die Kinder sang man mit einem hübschen Wiegenliedchen in den Schlaf:

Schlaf ein, mein Kind,
Die Stube ist warm,
Da draußen tanzt der Flockenschwarm.
Wie fallen die Flocken,
So rasch geht mein Rocken,
Du schläfst, ich spinn´,
Der Abend geht hin.

Schlaf ein, mein Kind,
Bunt ist dein Traum,
Rotapfel wächst am Weihnachtsbaum.
Ich sing´ für mein Kind.
Du schläfst, ich spinn´,
Der Abend geht hin.

In Oberschlesien begann das Weihnachtsmahl am 24. Dezember nach dem Aufgehen des Abendsterns. Dann musste stillschweigen gewahrt werden; oft verschloss man sogar Tür und Tor, um jede Störung zu vermeiden. Für die kürzlich Verstorbenen ließ man Stühle frei, deckte für sie mit und stellte Kerzen in ihre Teller, um anzuzeigen, dass sie noch mit in die Familiengemeinschaft gehören.

Unter dem Tisch lag eine kleine Schütte Stroh, oder einige Halme lagen unter der Tischdecke, um so das Feld mit in diese Weihnachtsstunde einzubeziehen oder an das Wunder im Stall von Bethlehem zu erinnern. Auf dem Tisch selbst stand ein Kreuz zwischen Salz und Brot.

Ein Stück von diesem Weihnachtsbrot wurde aufbewahrt, um es im Frühjahr oder Herbst in die Aussaat zu verreiben und so den weihnachtlichen Segen dem Acker mitzuteilen. Nach dem Mahl erhielten die Tiere im Stall Reste des Essens; Obstbäume im Garten wurden mit dem Tischstroh umwickelt;

Den Bienen in den Stöcken sagte man die Heilige Nacht an. Erst nach diesen Handlungen begann die Bescherung.