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Die Flucht der Heiligen Familie

Länger fallen schon die Schatten
durch die kühle Abendluft,
waldwärts über stille Matten
schreitet Joseph von der Kluft,
führt den Esel treu am Zügel;
linde Lüfte fächeln kaum,
's sind der Engel leise Flügel,
die das Kindlein sieht im Traum.

Und Maria schauet nieder
auf das Kind voll Lust und Leid,
singt im Herzen Wiegenlieder
in der stillen Einssamkeit.
Die Johanniswürmchen kreisen
emsig leuchtend über'n Weg,
wollen der Mutter Gottes weisen
durch die Wildnis jeden Steg
und durchs Gras geht süßes Schauern,
streift es ihres Mantels Saum;
Bächlein auch lässt jetzt sein Plaudern
und die Wälder flüstern kaum,
dass sie nicht die Flucht verraten.

Und das Kindlein hob die Hand,
da sie ihm so Liebes taten,
segnete das stille Land,
dass die Erd' mit Blumen, Bäumen
fernerhin in Ewigkeit
nächtlich muss vom Himmel träumen -
o gebenedeite Zeit!


Joseph von Eichendorff