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Begehrlichkeiten

Im Winter, wenn es stürmt und schneit
Und's Weihnachtsfest ist nicht mehr weit,
Da kommt weit her aus dunklem Tann
Der liebe, gute Weihnachtsmann.

Knecht Ruprecht wird er auch benannt,
Ist allen Kindern wohlbekannt.
Er kommt mit einem großen Schlitten
Grad aus des tiefen Waldes Mitten.

In seinem Sack sind gute Sachen,
Die braven Kindern Freude machen.
Doch auch die Rute ist zur Hand
Für Kinder, die als bös bekannt.

Das mag wohl früher so gewesen sein;
Heut' gibt's nur brave Kinderlein.
Die sagen schnell ihr Sprüchlein auf,
Knecht Ruprecht macht den Sack dann auf.

Und Äpfel, Nüsse, Pfefferkuchen
Darf gleich das liebe Kind versuchen.
Knecht Ruprecht aber fährt geschwind
Davon zum nächsten art'gen Kind.

(Verfasser unbekannt)

Im Apfel saß verträumt ein Wurm
und hing am Tannenbaume,
wünschte sich von Herzen sehr,
zu sitzen in einer Pflaume.

Bello schielte seit Tagen
zu einem schönen Zimtstern,
der hing am Baum und strahlte,
der Hund hätt‘ zum Fressen ihn gern.

Pummel, die dicke Katze,
liebte den Lebkuchenmann,
saß auf dem Schrank daneben,
doch kam sie an ihn nicht ran.

Der Wurm blieb nicht im Apfel,
schaute freudig um sich her,
sah all die schönen Dinge,
begehrte auch sie so sehr.

Plötzlich knurrte der Bello,
hörte, wie der Wurm munter fraß,
und Pummel laut miaute,
erbärmlich ohne Unterlaß.

Den Wurm alles nicht störte,
fraß hin zum Zimtestern,
vergnügte sich im Baume,
war vom Lebkuchen nicht fern.

Voll Eifersucht sprang Pummel,
ergriff den Lebkuchenmann,
und Bello sein Zimtsternchen,
der Baum zu wackeln begann.

Der Wurm flog auf den Teller
und fühlte sich wie im Traum,
in einem Berg voll Früchten
und‘ ner getrockneten Pflaum‘.


© Heidrun Gemähling